In den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten nahm der Stuttgarter Oratorienchor immer wieder Werke von Joseph Haydn in seine Konzertprogramme auf. Im Jubiläumsjahr 2022 bot „Die Schöpfung“ den passenden Rahmen zur Feier unser 175jähriges Bestehens. Den „Sieben letzten Worten…“ – einem selten aufgeführten Stück – begegneten wir in der Leonhardskirche am Palmsonntag 2024 in einer besonderen Fassung. Mehr zu diesem Passionswerk können Sie in drei „veralteten“ Beiträgen in unserem Archiv (auf der rechten Seite) lesen: Januar – März 2024.
Weitere Neuentdeckung
Das „Stabat Mater“ reiht sich in die Liste der (beinahe) vergessenen Meisterwerke ein, denen sich der Stuttgarter Oratorienchor immer wieder widmet. Dieses Werk markiert den Beginn von Haydns Produktion sakraler Musik. Es entstand 1767, im 35. Lebensjahr des Komponisten. Dem frisch gebackenen Kapellmeister am Hof des Fürsten Nikolaus von Esterházy gelang eine bedeutende Vertonung des umfangreichen Stabat-Mater-Hymnus. Nicht umsonst verbreitete es sich noch zu seinen Lebzeiten in ganz Europa.
Haydns handschriftliche Original-Partitur bislang unauffindbar
Durch das häufige Weiterreichen und Kopieren – das Werk wurde damals von Hand abgeschrieben und sogar mit deutschen Text unterlegt – verschwand irgendwann einmal Haydns Original-Niederschrift, genauso wie seine authentischen Abschriften. Er hatte das „Stabat Mater“ jedoch in seinem Werksverzeichnis als „Oratorio“ eingetragen. Somit war diese Komposition dokumentiert. Als weiterer Beweis seiner Autorenschaft dient auch sein Auftrag an seinen Schüler Sigismund Ritter von Neukomm. Dieser sollte anlässlich einer Aufführung im Jahr 1803 die Orchesterbesetzung um zusätzliche Bläserstimmen und Pauke erweitern. Neukomm fügte dem Auftrag auch noch eine Chorergänzung im Solisten-Quartett „Virgo virginum praeclara“ hinzu. Der Stuttgarter Oratorienchor übernimmt diese von Haydn autorisierte Fassung und präsentiert am 13. April in ca. 70 Minuten diese ergreifende, opernhafte Musik in der Stuttgarter Leonhardskirche. Lassen Sie sich dieses selten aufgeführte Meisterwerk nicht entgehen!